3 Jun
2011
Posted in: Klappe | der Dramaworks Blog
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„Durch die Hintertür“

Diesen Monat befassen wir uns mit Krimis und stellen uns die Frage wie man das Genre als Autor effektiv nutzen kann?

Die Deutschen lieben Krimis – ob aus eigener Produktion oder als importiertes Format. Kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo ermittelt wird. Nun könnte man als Autor ob dieser Tatsache ja schnell ins Stöhnen kommen und die mangelnde Genrevielfalt in der Fernsehlandschaft kritisieren, aber das wäre vielleicht etwas voreilig.

Sicherlich ist es in gewisser Hinsicht beklagenswert, dass sich die Macher dermaßen auf ein Genre kaprizieren, jedoch bieten sich den Geschichtenerzählern dadurch auch große Chancen, denn Krimi ist nicht gleich Krimi.

Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Verbrechen einfach durchleuchtet wurde und am Schluss ein geständiger Verbrecher im Büro des Kommissars sein Geständnis ablegte. Vorbei die Zeiten, in denen der Zuschauer am Schluss den wahren Tathergang in einer meist behäbigen Rückblende präsentiert bekam. Krimis heute sind schneller, raffinierter, humorvoller und vor allem vielschichtiger.

Es geht nicht mehr einfach nur darum, einen Fall zu lösen. Nein, vielmehr geht es in den Krimis von heute verstärkt um Menschliches allzu Menschliches, psychologische und soziale Hintergründe, um Kritik an Missständen unserer Gesellschaft. Der Krimiplot fungiert sozusagen als trojanisches Pferd.

Oder hatten Sie noch nie den Eindruck, dass viele Autoren das Krimigenre regelrecht benutzen, um darin Geschichten von gesellschaftspolitischer Relevanz zu erzählen, Geschichten mit denen sie auf herkömmlich erzähltem Wege vielleicht kein so großes Publikum erreichen könnten? Ob es sich nun um Kinderarmut, Ausbeutung von Arbeitnehmern oder Homosexualität im Profi-Fußball handelt – nicht selten verblasst die eigentliche Spannungsfrage des „Whodunit“, der eigentlichen Mördersuche hinter gut beobachteten Milieus und Figuren.

Oder man hat es als Zuschauer im umgekehrten Fall mit eher herkömmlichen Kriminalfällen zu tun, wird aber durch die charismatische Figur des oder der Ermittler in den Bann gezogen. Auch hier gibt es für Autoren vielfältige Möglichkeiten abseits bzw. neben der immer gleichen Krimiformel Abgründe, Vorzüge und Schrullen der Hauptfigur auszuloten. Da kommt es schon mal vor, dass man sich als Zuschauer dabei ertappt, dass man sich für die privaten Befindlichkeiten des Ermittlers mehr interessiert als für den Fall.

Und tut das dem Genre einen Abbruch? Nein, es ist eine willkommene Bereicherung, was nicht zuletzt durch immer wieder hervorragende Quoten belegt wird.

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